Leasing war nicht so leiwand

  • Hallo BMW Community

    Ich lese gerne ab und zu eure Beiträge und habe mich nun entschieden, selbst beizutreten, um ein Thema anzuschneiden bzw. loszuwerden. Dazu sei erwähnt, dass ich seit 20 Jahren treuer BMW Fahrer bin mit dem mittlerweile neunten Fahrzeug. Meist waren es 3er oder 5er, aber auch ein X3 und eben zuletzt ein 2er Grand Tourer. Seit neun Jahren arbeite ich bei einer sehr kleinen Firma, die meist 2-3 Autos im Firmenleasing hat, fast ausschließlich bei BMW. Leider in Zukunft nicht mehr, und daran schuld ist die BMW Financial Services, die Finanzeinheit von BMW Österreich, die bei jedem Leasing mit BMW als Leasinggeber auftritt. Mich würde es brennend interessieren, ob hier ähnliche Fälle bekannt sind.


    Gleich am Anfang ist es mir ganz wichtig zu schreiben, dass es nicht unbedingt um große Summen geht oder um eine Abzocke im großen Stil. Auch will ich mich nicht billig beschweren oder laut schimpfen, sondern – so wie ich es auch den Autofahrerclubs mitgeteilt habe – aufzeigen, wie sehr sich das Leasinggeschäft geändert hat. Vor allem, wie sehr, und mit voller Absicht, sich die BMW Financial Services vom Kunden und von den Händlern getrennt hat, wenn es bei der Rücknahmen des Fahrzeugs um ihr Geld geht bzw darum geht, das Aussehen des Fahrzeugs so perfekt wie möglich auf Kosten des Leasingnehmers wiederherzustellen. Und eben weil es bei mir nicht um große Summen gegangen ist, sondern um die Art, die Umwege, das viele Papier, die Gutachter, die Hotlines und das ständige „das ist wer anderer zuständig“, finde ich, dass es diesen Beitrag wert ist. An dieser Stelle will ich aber als große Ausnahmen meinen Händler (BMW Wien) nennen, der es zumindest mehrmals versucht hat, mir ernsthaft zu helfen und dann selbst zugegeben hat, dass es ohne mehr Zusammenarbeit in der BMW Gruppe so nicht weitergeht.


    Kurz zum Hintergrund: ich bin geschäftlich viel unterwegs, fahre so 40-60tkm im Jahr und nehme mir im Schnitt jede 2,5 Jahre ein neues Leasingfahrzeug auf unsere Firma. Nochdazu wohne ich am Land und parke in meiner Garage. Ihr könnt euch vorstellen, dass im Sinne des Zustands meines Autos bei der Rückgabe (95% Überland, keine Parkdellen, keine Kurzstrecken) man sich kaum ein besseres vorstellen kann. Nochdazu pflege ich meine Autos, lasse sie 4-6x im Jahr komplett reinigen und 1x im Jahr voll polieren. Trotzdem, wer schon mal 120,000km am Tacho hatte, der weiss, dass sich so manche Mini-Delle einschleicht und kleine Schäden unvermeidbar sind. Über 20 Jahre lief das dann so, dass man klare Defizite (Bremsen, Reifen, große Schrammen) anstandslos zahlte und sich bei den kleinen Dingen auf eine „kleine Pauschale“ einigte. Das waren meist 500-1000€. Dazu gibt einem BMW einen 100-Seiten Katalog mit vielen bunten Fotos damit man weiß, welche Schäden noch akzeptabel sind und welche nicht. Dieses Mal habe ich es tatsächlich geschafft, bis auf einen Kratzer auf der Felge und abgefahrenen Bremsbacken hinten ein nahezu perfektes Auto hinzustellen. Was ich dann aber – 2 Monate nach Abgabe – per Post, und inklusive Mahnung, in die Firma bekommen habe, kann die Kriminalpolizei nicht besser machen. Klar, es war ein unabhängiges Gutachten, wie im Vertrag vereinbart, aber ihr hättet die Fotos sehen sollen. Wie wenn jemand im Auto umgekommen ist. Hochauflösende, hochbelichtete und in Szene gesetzte Bilder. Jeder Zentimeter des Autos fotografiert, detailliert beschrieben. Ich habe sogar kleine Staubkörnchen am Foto erkennen können. In Summe wurden dann 10 Positionen verrechnet von denen (bis auf Bremsen und Felge) alle laut Katalog eigentlich erlaubt wären. Nochdazu, was hat das mit dem Wiederverkauf zu tun? Das Auto hat nun mal einen Zeitwert, keiner kommt zum Händler und erwartet sich ein Auto, das sich nur am Kilometerzähler vom Neuwagen unterscheidet. Im Endeffekt wurden über 3000€ an Schäden verrechnet, die über die Bremse und die Felge hinausgingen.


    Nun zum eigentlichen Problem: darüber darf man nicht mehr reden! Der Händler hat tatsächlich keinen Einfluss mehr, vor Allem weil das Auto schon längst weg ist. (Wie gesagt, meiner hat sich tatsächlich noch bemüht). Auch auf der Endabrechnung, eher vergleichbar mit einer Dissertation, steht kein Kontakt, keine Email, keine Ansprechperson. Der Händler ist dazu verpflichtet, Anfragen an eine generelle Hotline bei BMW Financial Services weiterzugeben. Es hat mich nochmal 3 Wochen gekostet, zumindest einen Namen in Salzburg – Sitz der Financial Services - zu erfahren.

    In der Zwischenzeit habe ich die Angelegenheit mit ÖAMTC und ARBÖ besprochen und die waren sehr hilfreich. Weil öfter bei der Rücknahme gestritten wird, ziehen sie sich auf neutrale Gutachten zurück. Das geht in Ordnung, solange man darüber noch reden kann.

    Juristisch gesehen hätte ich laut beiden Autofahrerclubs gute Chancen, aber eben auf ca. €2000 mit etwa gleichem Risiko vor Gericht, wo es sehr wahrscheinlich geendet hätte. Insbesondere an der anzuwendenden ÖNorm scheiden sich die Geister. Man kann alles auch zu genau und zu seinem Gunsten auslegen. Laut Autofahrerclubs haben sie 130% vom Vertrag ausgenützt.


    Nach langem Hin- und Her habe ich aber beschlossen, mich mit dem Thema weniger juristisch zu beschäftigen, als in 2-3 Foren, und bei beiden Autofahrerclubs zu schreiben. Damit mehr Druck auf die Marke ausgeübt wird, die BMW Financial Services wieder näher an den Kunden zu bringen. Vor allem wenn es schon dem Händler auffällt, der sich eigentlich nicht wirklich um einen kleinen Kunden wie mich kümmern müsste. Ganz besonders mutig finde ich, dass genau jetzt die BMW Kampagne „Fairpay“ läuft. Also faires Leasing bei BMW Financial Services.


    Mir ist es wichtig, am Ende zu schreiben, dass sich keine Person bei BMW unfreundlich, arrogant oder abweisend verhalten hat. Im Endeffekt habe ich doch Gehör gefunden, aber trotzdem nichts erreicht. Das Gutachten und der Vertrag sind heilig, der Kriterienkatalog ist nur „beispielhaft“. Und auch nur dann, wenn es passt.


    Ich rate im Moment keinem, dieses Risiko einzugehen und sich ein Auto bei BMW zu leasen, wenn man sich damit nicht auseinandersetzen will. Es gibt so etwas wie „sorgenfrei“ Leasen nicht, auch wenn es als Nutzenleasing oder Fairpay verkauft wird. Das Auto gehört immer der Bank, die daran nicht besonders gut verdient und sich, so lange es einen Vertrag gibt, diesen zu ihren Gunsten auslegen wird um das beste Auto zurückzubekommen. All das habe ich gewusst und akzeptiert. Nur das Eine hat sich grundsätzlich geändert: es gibt keine Möglichkeit mehr, vernünftig darüber zu reden so lange die Personen weit entfernt in Salzburg arbeiten und nicht mit dem Verkäufer beim Händler mitschwitzen müssen, weil eh alle Firmenkunden der Denzel vom Markt saugt.


    Firmenmäßig kommen mir jetzt neuen Modelle aus Schweden (nein, nicht PAX und Hemnes) im Moment gerade gelegen. Ist intern nach dieser Behandlung intern leider so beschlossen worden. Ob sich das auszahlt, BMW?

    Schade, nach 20 Jahren geilster Kurvendynamik…


    Schreibt fleißig weiter! Ich freue mich auf eure Kommentare und lasst euch nicht übers Ohr hauen!


    Euer Cowboy

  • Tja wie ich immer sage irgendwann platzt dieser Leasing Finanzierungswahn (bei Firmenwagen bzw. bei Vielfahrerern ja noch erklärbar) aber heutzutage wird so ein Geiselvertrag jedem aufgeschwatzt ( wenn ich da an die ganzen Bonusversprechen denke wenn finanziert wird wirst ja praktisch bestraft wenn man bar zahlt) - ich sollte sie aus beruflichen Gründen ja auch vermitteln bin aber privat anderer Meinung 🤦‍♂️


    Dazu kommt noch das die Autos immer anfälliger gebaut werden Sodas manche Schäden oder Mängel überhaupt nicht auszuschließen sind (wenn ich da nur an die Pralldämpfer beim E34 denke) da lachte der BMW bei einem kleineren Parkrempler - heutzutage muss man bei einer Kollision mit einer Hummel Angst haben das man keine neue Stosstange braucht (etwas überspitzt ausgedrückt).


    Ich meinerseits habe vor drei Jahren auch den neueren BMW Modellen den Rücken gekehrt da ich mit mehreren Punkten in dieser Preis/Leistungs Politik nicht einverstanden bin (neben den ein oder anderen optischen Fehlgriffen)